Reolink RLC-422W IP-Kamera mit 4x optischem Zoom für den Außenbereich im Test

Überwachungskamera Reolink RLC-422W (5MP / bis zu 2560×1920), WLAN IP Kamera mit 4x optischem Zoom und SD Kartenslot für den Draussenbereich

reolink ip cam RLC-422W Reolink RLC-422W WLAN IP-Kamera

 

Bildfrequenz:

  • 5MP@20 fps
  • 4MP@25 fps

 

Vorteile:

– App und PC-Client verfügbar. Beide sind „ok“. Nichts Weltbewegendes, aber ich kenne so etwas auch wesentlich schlimmer.

Die App hat kürzlich auch ein Update erfahren (leider stillschweigend!), in der einige nützliche Funktionalitäten hinzugekommen sind.

– Windows-App benötigt keine Admin-Rechte für die Installation, funktioniert also auch in der Arbeit.

– Hardware: Sehr solide und wertig verarbeitet.

– Erste Inbetriebnahme sehr einfach (zur Einrichtung erst einmal nur die App und ein Netzwerk-Kabel nötig).

– HTTP(S) URL mit Snapshot (JPG) funktioniert.

– RTSP Video-Abruf* funktioniert ebenfalls (z. B. in VLC), leider aber nicht in Browsern. *Tipp hierzu siehe weiter unten.

– „Alarmzonen-Pinsel“ zum Malen auszulassender Quellen gut und einfach gelöst.

– Die Bildqualität ist (im CLEAR View) super und der optische Zoom natürlich Gold wert.

– Es werden MP4-Videos aufgenommen.

 

Nachteile:

– Für den Zoom gibt es keinen Reset-Knopf. D.h., wenn man die (träge reagierende Steuerung) nicht richtig hinbekommt, muss man kurz zoomen, damit der Auto-Fokus wieder gestartet wird. Etwas blöd gelöst.

– Für den (Auto-)Fokus gibt es keinen Reset bzw. eine 0-Stellung, SEHR nervig.

– Die Kamera braucht oftmals ungefähr 10 Sekunden, um den Fokus scharf zu stellen, nachdem sie gezoomt hat. Manchmal geht es auch in 2 Sekunden vonstatten, es kommt wohl immer auf die Bildinhalte und natürlich die Lichtverhältnisse an.

– Evtl. ein wichtiges Kriterium: Kein Audio (ist mir leider erst nach dem Kauf aufgefallen, da so etwas ja natürlich nur irgendwo sehr klein zu lesen ist und nicht extra hervorgehoben wird).

– Die SD-Card ist wirklich schwer erreichbar (3 Schrauben lösen um das Gehäuse abzuheben, das wg. den Antennen nicht besonders weit aufgeht, Reinfummeln der Karte nicht einfach mit einer Hand, da die andere ja die Glaskuppel wg. der Antennenkabel halten muss, dabei behindert einen aber der weiße Metallrand des Bodens (siehe roter Kringel unten).
reolink rlc-422w - schwer erreichbare sdcard reolink cam - wlan-antennen-kabel behindern weites öffnen
Der linke rote Kringel auf Bild 1 bezieht sich auf Folgendes:

– Gehäuse nicht komplett wassergeschützt. An den Stellen, an denen man die Grundplatte z. B. unter dem Dach montieren soll, kann Wasser eindringen, wenn Schrauben dort angebracht, danach aber nicht abgedichtet werden. Das hätte man doch sicher etwas besser lösen können, z. B. mit zusätzlich montierbarer Zwischenplatte o.Ä.
Das ist bei anderen Kameras auch so üblich. Selbst, wenn jede Nacht nur ein klein wenig Feuchtigkeit eindringt, weil man das vergisst, hält die Kamera-Elektronik sicher nur ein paar Jahre durch.

– Kein SFTP, nur „normales“, veraltetes FTP. Wessen Webspace, wie in meinem 1&1-Fall, nur noch SFTP zulässt, hat hier verloren.
Laut Reolink-Support ist es offensichtlich auch nicht geplant, das einzuführen.

– HTTPS Browser Verbindungen geben leider eine Warnmeldung aus: „Warnung: Mögliches Sicherheitsrisiko erkannt“.
Das SSL-Zertifikat gilt als nicht vertrauenswürdig.

– Im Browser-Interface kann man zwar coolerweise alle Einstellungen vornehmen, jedoch kommt kein Bild zustande, weil Reolink hier noch auf das Flash-Plugin setzt, das vermutlich in 99 % der Browser nicht mehr funktioniert :/

– Kein Download aller Videos über eine einfache Dateimanager-Verwaltung. Da man an die SD-Card so kaum rankommt, wäre das aber eigentlich zwingend nötig.

– Der Main**-Stream (RTSP) funktionierte bei mir nur einmal, danach nicht mehr. Keine Ahnung, warum das so war…

– Im Sub-Stream war ab und zu das Bild des Videostreams „grisselig“/etwas komisch, mit farbigen Pixeln. Woran es genau liegt, weil die App hat dies nicht gezeigt, weiß ich nicht. Die Kamera war relativ weit weg vom Router und hatte nur 2 von 5 Strichen Empfang. Evtl. hatte es damit zu tun…
grisselig-reolink reolink-grisselige-artefakte-2

– Windows-App: Fenstergröße nicht manuell veränderbar, nur ein paar ausgewählte Auflösungen sind möglich. Man kann das Fenster mit dem Videobild also nicht einfach irgendwo klein in eine Ecke des Bildschirms schieben. Des Weiteren führen fast alle angebotenen „Auflösungen“ nur zu einem erst einmal verzerrten/gestreckten Bild, bis man den View per Button anpasst.

– Ein kleiner Nachteil am Zoom ist, dass die Kamera vorher wirklich sehr genau ausgerichtet worden sein muss, damit man ihn auch verwenden kann. Denn per Motor drehbar ist sie ja leider nicht, was sehr schade ist und (auch vom Gehäuse her) wunderbar klappen hätte können. Und ansonsten fallen beim 4 fachen Zoom dann einfach zu viele wichtige Bild-Teile links und rechts weg, die man dann nicht mehr im Blick hat.

– Leider legt die Windows-App ungefragt 3 Ordner im Root von C:\ an, u.a. „DownloadFile“. Solches Verhalten ist nicht zeitgemäß und gehört eigentlich auch verboten.

– Sehr zum Verdruss werden NUR und ausschließlich Videos auf der SD-Card abgelegt. Wenn man keine E-Mail-Alarm-Funktion aktiviert hat, bekommt man gar keine Bilder zu sehen sondern eben nur Videos. Schade und unverständlich. Sogar eine günstige Wildkamera kann das, da werden automatisch bei Bewegung 3 Bilder zusätzlich zum Video abgelegt. Natürlich, und das ist der einzige Trost, kann man aus den hochauflösenden Videos dann einzelne Screenshots machen. Aber wer hat schon so viel Zeit…

– Und noch ein kleines Manko am sonst sehr wertigen Gehäuse-Design: Das Kabel das nach außen geführt wird kann leider nicht ordentlich nach seitlich außen „verlegt“ werden, da der Hersteller offensichtlich vergessen hat, im Metallrand noch eine Aussparung rauszufräsen:
boden / kabel
Das erinnert mich an so manche DVD- und Blu-ray-Hülle, die die Entnahme der Disc unnötig erschwert, indem solche Aussparungen eben nicht, wie offensichtlich vorgesehen, ausgespart wurden.

Ich werde solche Dinge nie verstehen.


**Main- und Sub-Streams sind hohe Auflösung sowie ein auf 640×480 Pixel und auch in der Bitrate/Qualität reduzierter Videostream.

 

Tipps & Tricks:

Hier wird beschrieben, wie man die *RTSP-Stream-Links aus Firefox heraus direkt in VLC öffnen kann:

https://jason.teknobox.de/firefox_tricks_erweiterungen/rtsp-mms-und-andere-protokolle-uber-firefox-offnen/

Achtung: Die Eingabe einer solchen URL in der Adresszeile klappt nicht. Man muss an geeigneter Stelle (z. B. simple HTML-Datei) einen Link hinterlegen und diesen dann per Klick aufrufen. Dann startet VLC.

Das fand ich etwas verwirrend, daher hier der Tipp dazu.

 

Fazit:

  • Alles in allem ein sehr wertiges Produkt, sogar mit Metallgehäuse und Dual-Antennen und auch WLAN-Bändern (2,4 und 5Ghz).
  • Super-einfache (und funktionierende!) Einrichtung.
  • Leider ohne Mikro (das ist m.E. nach ein Cent-Produkt, die Entscheidung verstehe ich also absolut nicht).
  • Kein (modernes) SFTP.
  • Für unseren Einsatzzweck im Endeffekt auch nicht brauchbar, aber durchaus clevere Features und natürlich die Zoom-Fähigkeit ist genial.

Wen die unter Nachteile genannten Punkte nicht stören, bekommt für das Geld auf jeden Fall eine sehr ordentliche Kamera mit einem super Preis-/Leistungsverhältnis.
Aber wie so oft gilt: Jeder muss selbst abwägen, ob das Produkt für ihn passt.

 

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